"Low GWP" HFO und HFO/HFKW-Gemische

Aspekte zur Entwicklung von HFO- und HFO/HFKW-Kältemitteln

Durch die Entscheidung zum Einsatz des "Low GWP" Kältemittels R1234yf in Kfz-Klimaanlagen ("Low GWP" HFO-Kältemittel R1234yf) wurde unterdessen auch die Entwicklung von Alternativen für andere mobile Anwendungen sowie stationäre Kälte-, Klima- und Wärmepumpensysteme initiiert.

Primäre Ziele sind dabei der Einsatz von Einstoff-Kältemitteln sowie Gemischen mit deutlich reduziertem GWP bei ähnlichen thermodynamischen Eigenschaften wie die heute überwiegend eingesetzten HFKWs.

Eine wesentliche Komponente hierfür ist R1234yf (CF3CF=CH2). Dieses Kältemittel gehört zur Gruppe der Hydro-Fluor-Olefine (HFO). Es handelt sich dabei um ungesättigte HFKW mit chemischer Doppelbindung. Aus dieser Gruppe steht eine weitere Substanz mit der Bezeichnung R1234ze(E) zur Verfügung, die bisher vorwiegend als Treibmittel für PU-Schaum und Aerosol verwendet wurde. R1234ze(E) unterscheidet sich von R1234yf durch eine andere Molekülstruktur.

Beide Substanzen zeichnen sich als in der Summe ihrer Eigenschaften bevorzugte Kandidaten aus und werden ebenfalls als Basiskomponenten in HFO/HFKW-Gemischen verwendet. Das Treibhauspotenzial ist sehr gering – R1234yf mit GWP 4 und R1234ze(E) mit GWP 7. Allerdings sind die Kältemittel entflammbar (Sicherheitsgruppe A2L), wodurch je nach Aufstellort der Anlage Füllmengenbegrenzungen zu berücksichtigen sind. Hinzu kommen noch Fragen zur Langzeitstabilität im Kältekreislauf bei den üblicherweise sehr langen Lebenszyklen stationärer Anlagen. Außerdem ist die volumetrische Kälteleistung relativ gering; sie liegt bei R1234yf etwa auf dem Niveau von R134a, bei R1234ze(E) sogar um mehr als 20% niedriger.

Eine gewisse Unsicherheit besteht häufig hinsichtlich Brennbarkeit. In Sicherheitsdatenblättern wird R1234ze(E) als nicht brennbar deklariert. Dies gilt allerdings nur für Transport und Lagerung. Bei Einsatz als Kältemittel gilt eine höhere Bezugstemperatur für Entflammbarkeitstests von 60°C. Bei dieser Temperatur ist R1234ze(E) brennbar und daher wie R1234yf in Sicherheitsgruppe A2L eingestuft.

R1234ze(E) wird teilweise als R134a-Substitut bezeichnet, liegt jedoch in der volumetrischen Kälteleistung um mehr als 20% unterhalb R134a oder R1234yf. Der Siedepunkt (-19°C) schränkt zudem die Anwendung bei tieferen Verdampfungstemperaturen stark ein. Der bevorzugte Einsatz liegt deshalb bei Flüssigkeitskühlsätzen und Hochtemperaturanwendungen. Weitere Informationen hierzu Kältemittel für Sonderanwendungen.

Die Liste weiterer potenzieller Kältemittel aus der HFO-Gruppe ist relativ lang. Allerdings gibt es nur wenige Substanzen, die den hohen Anforderungen hinsichtlich thermodynamischer Eigenschaften, Brennbarkeit, Toxizität, chemischer Stabilität, Verträglichkeit mit Materialien und Schmierstoffen entsprechen. Dazu gehören z.B. die nicht brennbaren (Sicherheitsgruppe A1) Niederdruck-Kältemittel R1336mzz(Z), R1233zd(E) und R1224yd(Z), die jedoch in erster Linie für Flüssigkeitskühlsätze mit großen Turboverdichtern eine Option bieten oder mit Verdrängerverdichtern in Hochtemperaturanwendungen eingesetzt werden können. R1233zd(E) und R1224yd(Z) gehören zur Gruppe der HCFO (Hydro-Chlor-Fluor-Olefine); sie haben ein (sehr) geringes Ozonabbaupotenzial (ODP). Bei Freisetzung in die Atmosphäre erfolgt jedoch ein rascher Zerfall des Moleküls.

Hingegen stehen aktuell keine Kandidaten aus der HFO-Familie mit ähnlicher volumetrischer Kälteleistung wie R22/R407C, R404A/R507A und R410A für eine kommerzielle Anwendung zur Verfügung. Direkte Alternativen für diese Kältemittel mit deutlich geringerem GWP müssen demnach als Gemisch von R1234yf und/oder R1234ze(E) mit HFKW-Kältemitteln, ggf. auch geringen Anteilen an Kohlenwasserstoffen, CO2 oder anderen geeigneten Molekülen, „formuliert“ werden.

Bedingt durch die Eigenschaften der als Gemischkomponenten geeigneten HFKW-Kältemittel, stehen jedoch Brennbarkeit und GWP in einem diametralen Zusammenhang. Anders ausgedrückt: Gemische als Alternativen zu R22/R407C mit einem GWP < ca. 900 sind brennbar. Dies gilt ebenso bei Alternativen für R404A/R507A in Gemischen mit GWP < ca. 1300 sowie für R410A in Gemischen mit GWP < ca. 2000. Grund hierfür ist der jeweils hohe GWP der erforderlichen nicht brennbaren Komponenten. Es gibt dabei Ausnahmen, die im Kapitel „Weitere Entwicklungsprojekte mit "Low GWP" Kältemitteln“, behandelt werden. Für R134a-Alternativen ist die Situation günstiger. Bedingt durch den bereits relativ niedrigen GWP von R134a ermöglicht eine Mischung mit R1234yf und/oder R1234ze(E) eine Formulierung nicht brennbarer Kältemittel mit GWP ca. 600.

So werden primär zwei Entwicklungsrichtungen verfolgt:

  • Nicht brennbare HFKW-Alternativen (Gemische) mit GWP-Werten entsprechend zuvor genannten Grenzen – Sicherheitsgruppe A1. Diese Kältemittel können dann hinsichtlich Sicherheitsanforderungen in gleicher Weise eingesetzt werden wie derzeit verwendete HFKWs.
  • Brennbare HFKW-Alternativen (Gemische) mit GWP-Werten unterhalb zuvor genannten etwaigen Grenzen – nach Sicherheitsgruppe A2L (für schwach brennbare Kältemittel). Diese Gruppe von Kältemitteln unterliegt dann u.a. Füllmengenbeschränkungen nach den gültigen Normen für A2L Kältemittel.

Mittlerweile gibt es einige Entwicklungsprojekte unter Verwendung von Komponenten mit wesentlich höherer volumetrischer Kälteleistung und Drucklage als R1234yf und R1234ze(E). Damit können dann Gemische mit R32 als Alternative zu R410A „formuliert“ werden, die für bestimmte Eigenschaften optimiert sind. Ergänzende Informationen Weitere Entwicklungsprojekte mit "Low GWP" Kältemitteln.

R134a-Alternativen

Neben den bereits beschriebenen brennbaren HFO-Kältemitteln R1234yf und R1234ze(E), stehen mittlerweile auch nicht brennbare Gemische als R134a-Alternativen zur Verfügung. Wie zuvor erwähnt, ist hierfür die Ausgangssituation am günstigsten.

Es können GWP-Werte von ca. 600 erreicht werden. Dies entspricht weniger als der Hälfte im Vergleich zu R134a (GWP = 1430). Darüber hinaus können solche Gemischvarianten azeotrope Eigenschaften aufweisen, sie lassen sich daher wie Einstoff-Kältemittel anwenden.

Seit einiger Zeit wird ein von Chemours entwickeltes Gemisch mit der Bezeichnung OpteonTM XP-10 in größerem Umfang in realen Anlagen eingesetzt. Die bisher vorliegenden Ergebnisse sind vielversprechend.

Dies gilt gleichfalls für eine von Honeywell angebotene R134a-Alternative mit der Bezeichnung Solstice® N-13, die sich jedoch in der Gemischzusammensetzung unterscheidet.

Die Kältemittel werden unterdessen in der ASHRAE Nomenklatur unter R513A (Chemours) und R450A (Honeywell) geführt.

Zur gleichen Kategorie gehören auch die Kältemittel-Gemische ARM-42 (ARKEMA) sowie R456A (Mexichem AC5X).

Bei diesen Optionen sind Kälteleistung, Leistungsbedarf und Drucklagen ähnlich wie bei R134a. Damit können auch Komponenten und Anlagentechnologie übernommen werden. Es werden nur geringfügige Änderungen wie z.B. Überhitzungseinstellung der Expansionsventile erforderlich.

Als Schmierstoffe eignen sich Polyol-Ester, die jedoch besondere Anforderungen z.B. bei Einsatz von Additiven erfüllen müssen.

Besonders günstige Perspektiven ergeben sich bei Supermarktanwendungen im Normalkühlbereich in Kaskade mit CO2 für Tiefkühlung. Ebenso in Flüssigkeitskühlsätzen mit größeren Kältemittelfüllmengen, bei denen der Betrieb mit brennbaren oder toxischen Kältemitteln umfangreiche Sicherheitsmaßnahmen erfordern würde.

Eine Besonderheit ist das Kältemittel R515B, ein azeotropes Gemisch aus R1234ze(E) und einem Anteil R227ea. Diese vom Hersteller Honeywell als R134a-Alternative deklarierte Stoffpaarung ist trotz des sehr niedrigen GWP von ca. 300 nicht brennbar (A1).

Zu berücksichtigen ist jedoch wie beim zuvor beschriebenen R1234ze(E), dass es sich nur unter Einschränkung um eine Alternative handelt. Die volumetrische Kälteleistung liegt ebenfalls um mehr als 20% unterhalb R134a oder R1234yf.

Ersatzstoffe für R404A/R507A und R410A

Nachdem die zur Verfügung stehenden HFO Moleküle R1234yf und R1234ze(E) eine wesentlich geringere volumetrische Kälteleistung aufweisen als die o.g. HFKW-Kältemittel, müssen für die jeweiligen Alternativen relativ große Anteile an HFKW mit hoher volumetrischer Kälteleistung zugemischt werden. Die potenzielle Kandidatenliste ist dabei ziemlich begrenzt, u.a. gehört dazu R32 mit dem Vorteil eines relativ geringen GWP von 675.

Negativ dabei ist jedoch dessen Brennbarkeit (A2L), wobei durch Zumischung größerer Anteile zur Steigerung der volumetrischen Kälteleistung – bei dennoch günstigem GWP – auch das Gemisch brennbar bleibt.

Andererseits muss bei einer Formulierung als nicht brennbares Gemisch ein relativ großer Anteil an Kältemitteln mit hohem Fluor-Anteil beigemischt werden (z.B. R125), mit dem dann die Brennbarkeit unterdrückt werden kann. Nachteil hierbei ist der hohe GWP dieser Stoffe. Dies führt dazu, dass nicht brennbare Alternativen für R22/R407C GWP-Werte oberhalb ca. 900 und Optionen für R404A/R507A GWP-Werte oberhalb ca. 1300 aufweisen. Gegenüber R404A/R507A bedeutet dies aber immerhin eine Reduzierung auf etwa ein Drittel.

Die künftige drastische Mengenbegrenzung („Phase-Down“) von F-Gasen, z.B. im Rahmen der EU F-Gase Verordnung, führt bereits heute zur Forderung nach R404A/R507A Substituten mit GWP-Werten deutlich unterhalb 500. Bei entsprechender Gemischzusammensetzung (hohe Anteile an HFO, R152a, ggf. auch Kohlenwasserstoffe) ist dies zwar möglich, jedoch mit dem Nachteil der Brennbarkeit (Sicherheitsgruppen A2L oder A2). Die Anwendung bedingt dann erhöhte Sicherheitsanforderungen und entsprechend angepasste Anlagentechnik.

Für R410A stehen derzeit keine nicht brennbaren Alternativen für kommerzielle Anwendungen zur Verfügung. Hierfür können entweder R32 (R32 als Ersatzstoff für R22) als Reinstoff oder Gemische von R32 und HFO eingesetzt werden. Wegen der hohen volumetrischen Kälteleistung wird jedoch ein sehr hoher R32-Anteil erforderlich, weshalb nur GWP-Werte im Bereich von ca. 400 bis 500 erreicht werden können. Bei höherem HFO-Anteil kann der GWP noch weiter reduziert werden, allerdings mit dem Nachteil einer deutlich reduzierten Kälteleistung.

Alle zuvor beschriebenen Gemisch-Optionen mit R1234yf und R1234ze(E) weisen auf Grund der Siedepunktunterschiede der einzelnen Komponenten einen mehr oder weniger ausgeprägten Temperaturgleit auf. Hier gelten dann ebenfalls die im Zusammenhang mit R407C beschriebenen Kriterien.

Darüber hinaus liegt die Druckgastemperatur bei den meisten R404A/R507A-Alternativen deutlich höher als bei diesen beiden HFKW-Gemischen.

Dies kann bei einstufigen Tiefkühlsystemen zu Einschränkungen im Anwendungsbereich der Verdichter führen oder besondere Maßnahmen zur Zusatzkühlung erfordern. Bei Fahrzeugkühlung oder auch bei Tiefkühlsystemen mit kleineren Verflüssigungssätzen, können die dabei eingesetzten Verdichter die geforderten Einsatzbereiche auf Grund der hohen Druckgastemperaturen oftmals nicht abdecken. Deshalb wurden ebenfalls Kältemittelgemische auf Basis von R32 und HFO, mit einem entsprechend hohen Anteil an R125, entwickelt. Der GWP liegt dabei etwas oberhalb von 2000, jedoch unterhalb des in der EU F-Gase Verordnung ab 2020 gesetzten Limits von 2500. Der wesentliche Vorteil solcher Gemische liegt in der moderaten Druckgastemperatur, die den Betrieb in den typischen Anwendungsgrenzen von R404A ermöglicht.

Folgende Tabelle (Potenzielle Gemischkomponenten für "Low GWP" Alternativen (Beispiele) (Stand 09.2018)) zeigt eine Übersicht der potenziellen Gemischkomponenten für die zuvor beschriebenen Alternativen. Teilweise sind die Komponenten für R22/R407C und R404A/R507A Substitute identisch, unterscheiden sich dann jedoch in der prozentualen Verteilung.

Unterdessen werden in erster Linie von Chemours, Honeywell, Arkema, Mexichem und Daikin Chemical entsprechende Gemischvarianten für Labor- und Feldtests, teilweise auch bereits für die kommerzielle Verwendung angeboten. Eine Reihe von Kältemitteln sind als Entwicklungsprodukte deklariert und werden nur im Rahmen besonderer Vereinbarungen für Testzwecke zur Verfügung gestellt. Bisher werden noch häufig Handelsnamen verwendet, eine größere Anzahl von HFO/HFKW-Gemischen sind jedoch bereits in der ASHRAE Nomenklatur geführt.

In der folgenden Tabelle ("Low GWP" Alternativen für HFKW-Kältemittel (Stand 09.2018)) sind eine Anzahl derzeit lieferbarer bzw. als Entwicklungsprodukte deklarierte Kältemittel gelistet. Wegen der großen Variantenvielfalt und potenziellen Änderungen bei Entwicklungsprodukten sind in den Tabellen (Kältemitteldaten) vorläufig nur Kältemitteldaten von nicht brennbaren R134a- und R404A/R507A-Alternativen (GWP < 1500) aufgeführt, die bereits kommerziell angeboten werden.

Zur Erprobung von "Low GWP" Kältemitteln wurde von AHRI (USA) ein Testprogramm unter dem Titel „Alternative Refrigerants Evaluation Program (AREP)“ initiiert. Hierbei wurden ebenfalls eine Reihe der in der Abbildung ("Low GWP" Alternativen für HFKW-Kältemittel (Stand 09.2018)) aufgeführten Produkte sowie halogenfreie Kältemittel untersucht und bewertet.

Weitere Entwicklungsprojekte mit "Low GWP" Kältemitteln

Für spezifische Anwendungen hat Chemours eine nicht brennbare (A1) R410A Alternative entwickelt, die in bestimmten Ländern und Regionen unter dem Handelsnamen OpteonTM XP41 angeboten wird – ASHRAE-Kennzeichnung R463A.

Es handelt sich um ein Gemisch aus R32, R125, R1234yf, R134a und CO2 mit einem GWP von 1494. Trotz des hohen Anteils an R32 und R1234yf wird die Brennbarkeit durch Mischung mit R125, R134a und CO2 unterdrückt.

Hinsichtlich Thermodynamik sind die Unterschiede zu R410A vergleichsweise gering. Durch den Zusatz an CO2 ist jedoch ein stark ausgeprägter Temperaturgleit zu berücksichtigen, der zu gewissen Einschränkungen in der Anwendung führen kann und besondere Anforderungen an die Auslegung der Wärmeübertrager stellt.

Alle Gemischkomponenten und ihre Eigenschaften sind hinreichend bekannt, wodurch bezüglich Materialverträglichkeit im Vergleich zu den bereits bekannten R410A Alternativen keine Besonderheiten bestehen.

Die Lieferung von Verdichtern für Labor- oder Feldtests setzt eine individuelle Überprüfung der konkreten Anwendung sowie eine besondere Vereinbarung voraus.

Mittlerweile wurde von Honeywell die Neuentwicklung einer nicht brennbaren (A1) R410A Alternative unter dem Handelsnamen Solstice® N-41 vorgestellt – ASHRAE-Kennzeichnung R466A.

R466A ist ein Gemisch aus R32, R125 und R13I1 (CF3I − Trifluoriodmethan), einem Iod-Methan-Derivat, das bisher nicht in der Kältetechnik verwendet wurde. CF3I ist nicht brennbar, ebenso R125, wodurch dann das Kältemittel auch bei dem relativ hohem R32-Anteil (A2L) nicht brennbar ist (A1).

Trotz des Anteils an R125 mit einem GWP von 3500 liegt der GWP bei 733 (AR4) und damit im Bereich von R32, R447B und R452B, die jedoch in A2L eingestuft sind.

Aus thermodynamischer Sicht sind die Unterschiede zwischen R410A und R466A relativ gering. Volumetrische Kälteleistung, Drucklagen und Druckgastemperatur sind geringfügig höher, der Kältemittelmassenstrom weicht etwas mehr ab (ca. 15 bis 20% höher). Der Temperaturgleit ist außerdem sehr gering.

Unter diesen Gesichtspunkten erscheint R466A als ein aussichtsreiches Substitut für R410A. Wegen des CF3I Anteils gibt es aber noch Unsicherheiten hinsichtlich chemischer Langzeitstabilität und Materialverträglichkeit unter den besonderen Anforderungen im Kältekreislauf.

Weitere Untersuchungen sind erforderlich, eine abschließende Bewertung von R466A ist deshalb gegenwärtig nicht möglich.

Jedenfalls kann dieses Kältemittel nach derzeitigem Stand der Kenntnisse nicht in Bestandsanlagen (Retrofit) eingesetzt werden. Die Lieferung von Verdichtern für Labortests setzt eine individuelle Überprüfung der konkreten Anwendung sowie eine besondere Vereinbarung voraus.

AGC Chemicals propagiert R1123 (CF2=CHF) im Gemisch mit R32, teilweise mit Zusatz von R134yf, als Alternative zu R410A und reinem R32. Es handelt sich dabei um ein HCFO mit sehr geringem Ozonabbaupotenzial (ODP). R1123 hat eine deutlich höhere volumetrische Kälteleistung als R1234yf oder R1234ze(E) und ist unter diesem Aspekt vorteilhaft. Allerdings liegt das Druckniveau noch höher als bei R32 und die kritische Temperatur bei nur etwa 59°C. Abgesehen davon gibt es offene Fragen zur chemischen Langzeitstabilität unter den besonderen Anforderungen im Kältekreislauf. Nach Sicherheitsdatenblatt unterliegt diese Substanz außerdem sehr strengen Sicherheitsanforderungen.

Eine abschließende Bewertung dieser Gemischvarianten ist deshalb gegenwärtig nicht möglich.

Anmerkung aus Sicht eines Verdichterherstellers
Es wäre anzustreben, die sich derzeit abzeichnende Produktvielfalt zu reduzieren und das künftige Angebot auf wenige „Standard-Kältemittel“ zu beschränken. Es wird weder für Komponenten- und Systemhersteller noch für Installations- und Serviceunternehmen möglich sein, mit einer größeren Palette von Alternativen praktisch umzugehen.

Aktuelle HFKW-
Kältemittel
AlternativenKomponenten / Gemischkomponente für "Low GWP" Alternativen
Sicherheits-
Gruppe
GWP④R1234yf
A2L

GWP 4
R1234ze(E)
A2L

7
R32
A2L

675
R152a
A2

124
R134a
A1

1430
R125
A1
3500
R13I1⑤
A1

<1
CO2
A1

1
R290②
A3
3
R134a
GWP
1430
A1~ 600
A2L< 150
A2L< 10
R404A/R507A GWP 3922/3985A1< 2500①
A1~ 1400
A2L< 250
A2L③< 150
A2< 150
R22/R407C GWP 1810/1774A1900..1400
A2L< 250
A2L< 150
A2< 150
R410A
GWP
2088
A1< 1500
A1< 750
A2L< 750
A2L~ 400..750

Potenzielle Gemischkomponenten für "Low GWP" Alternativen (Beispiele) (Stand 09.2018)


Kälteleistung, Massenstrom, Druckgastemperatur ähnlich wie R404A
Nur geringe Anteile – wegen Temperaturgleit (CO2) und Brennbarkeit (R290)
R32/HFO-Gemische haben geringere Kältleistung als Referenz-Kältemittel, Zumischung von CO2 führt zu hohem Temperaturgleit
Etwaige Werte nach IPCC IV (AR4)
R13I1 (CF3I − Trifluoriodmethan) ist ein Iod-Methan-Derivat.

 

 

Aktuelle HFKW-Kältemittel"Low GWP" Alternativen für HFKW-Kältemittel
ASHRAE
Kenn-
zeichnung
Hersteller-
Bezeichnung
Zusammensetzung
(bei Gemischen)
GWP
AR4 (AR5)
Sicher-
heits-
gruppe
Siede-
temperatur
in °C
Temperatur-
gleit in K
R134a
GWP
1430 ①
R450ASolstice®
N-13
HoneywellR1234ze(E)/134a604 (547)A1-240,6
R456AAC5X ⑥MexichemR32/1234ze(E)/134a687 (627)A1-304,8
R513AOpteonTM XP10ChemoursR1234yf/134a631 (573)A1-300
R513A⑧Daikin Chemical
R515B ②HoneywellR1234ze(E)/227ea293 (299)A1-190
R1234yfverschiedene4 (< 1)A2L-300
R1234ze(E)
verschiedene7 (< 1)A2L-190
R444AAC5 ⑥MexichemR32/152a/1234ze(E)92 (89)A2L-3410
R516AARM-42 ⑦ArkemaR1234yf/152a/134a142 (131)A2L-290
R404A/
R507A

GWP
3922/3985   (R22/R407C)
R448ASolstice®
N-40
HoneywellR32/125/1234yf/
1234ze(E)/134a
1387 (1273)A1-466,2
R449AOpteonTM XP40ChemoursR32/125/1234yf/
134a
1397 (1282)A1-465,7
Forane® 449Arkema
R460BLTR4X ⑥MexichemR32/125/1234ze(E)/
134a
1352 (1242)A1-458,2
R452AOpteonTM XP44ChemoursR32/125/1234yf2140 (1945)A1-473,8
R452CR452C ⑦ArkemaR32/125/1234yf2220 (2019)A1-483,4
R460ALTR10 ⑥MexichemR32/125/1234ze(E)/
134a
2103 (1911)A1-457,4
R454AOpteonTM
XL40
ChemoursR32/1234yf239 (238)A2L-485,7
R454A ⑧Daikin Chemical
ARM-20b ⑦ArkemaR32/1234yf/152a251 (251)A2L-476,1
R454C OpteonTM XL20ChemoursR32/1234yf148 (146)A2L-467,8
R455ASolstice®
L-40X
HoneywellR32/1234yf/CO2148 (146)A2L-5212,8
R457A ②ARM-20a ⑦ArkemaR32/1234yf/152a139 (139)A2L-437,2
R459B LTR1 ⑥MexichemR32/1234yf/
1234ze(E)
144 (143)A2L-447,9
R465A ARM-25 ⑦⑨ArkemaR32/1234yf/290145 (143)A2-5211,8
R22/R407C
GWP
1810/1774
R449COpteonTM
XP20
ChemoursR32/125/1234yf/134a1251 (1146)A1-446,1
R410A
GWP
2088
R32verschiedene 675 (677)A2L-520
R452BOpteonTM
XL55
ChemoursR32/125/1234yf698 (676)A2L-510,9
Solstice®
L-41y
Honeywell
R454BOpteonTM
XL41
ChemoursR32/1234yf466 (467)A2L-511,0
R459AARM-71 ⑦ArkemaR32/1234yf/1234ze(E)460 (461)A2L-501,7
R463AOpteonTM
XP41 ⑩
ChemoursR32/125/1234yf/
134a/CO2
1494 (1377)A1-5912,2
R466ASolstice®
N-41 ⑧⑩
HoneywellR32/125/13I1(CF3I)733 (696)A1-520,7

"Low GWP" Alternativen für HFKW-Kältemittel (Stand 09.2018)


Der vergleichsweise geringe GWP von R134a erlaubt den Einsatz dieses Kältemittels noch auf längere Sicht.
Geringere volumetrische Kälteleistung als Referenz-Kältemittel
AR4: gemäß IPCC IV // AR5: gemäß IPCC V – Zeithorizont 100 Jahre
Gerundete Werte
Gesamt-Gleit von Siede- bis Taulinie bei 1 bar (abs.)
Entwicklungsprodukt
Verfügbar 2018 .. 2020
Vermarktung voraussichtlich ab 2019
Vorzugsweise für gewerbliche Kühl- und Gefriergeräte
Siehe Hinweise unter Weitere Entwicklungsprojekte mit "Low GWP" Kältemitteln

 

 

BITZER Erfahrungen und Produkte für HFOs und HFO/HFKW-Gemische

BITZER war sehr früh in verschiedenen Projekten mit HFO/HFKW-Gemischen engagiert und konnte dadurch wichtige Erkenntnisse beim Einsatz dieser Kältemittel gewinnen.

Halbhermetische Hubkolbenverdichter der ECOLINE Serie sowie CS. und HS. Schraubenverdichter können mit dieser neuen Kältemittel-Generation bereits eingesetzt werden.

Eine Reihe von Kältemitteln wurde schon qualifiziert und freigegeben, die jeweiligen Leistungsdaten sind in der BITZER SOFTWARE hinterlegt.

Scrollverdichter der Baureihen ORBIT GSD6 und GSD8 sind für den Einsatz der R32/HFO-Gemische R452B und R454B freigegeben. Je nach Produktgruppe ist ggf. eine spezielle Verdichterausführung erforderlich.

Weitere Informationen zum Einsatz von HFOs und HFO/HFKW-Gemischen

Weitere Informationen zum Einsatz von HFOs und HFO/HFKW-Gemischen siehe Broschüre A-510, Abschnitt 6 sowie Informationsschrift Nr. 378 20 386.